Drucken

Farbabsorbtion im WasserAls ich vor einigen Jahren mit einem Geldscheinprüfer (UV-Lampe) in die Köderkiste leuchtete, war ich sehr überrascht. Mindestens 80% aller Pilker und Gummiköder strahlten in einem fluoreszierenden Licht. Kunstköderhersteller haben die Fängigkeit dieser Köder erkannt und den Markt mit UV aktiven Ködern überschwemmt. Inzwischen gibt es diese Artikel für fast alle Bereiche der Sportfischerei. Nicht nur für den Raubfischangler, sondern auch für das Angeln auf Friedfisch gibt es z. B. UV aktive Boilies, Popups oder Teig.

Sind diese Köder wirklich fängiger als die weniger auffälligen? Um diese Frage zu beantworten, testete ich seit einigen Jahren selbst gebaute UV aktive Pilker und andere Köder in der Ostsee. Durch den Eigenbau bin ich sehr flexibel und kann die Farbzusammenstellung und die Stärke der Fluoreszenz selbst bestimmen.

 

Das menschliche Auge ist nicht in der Lage kurzwellige Strahlung im UV-Bereich wahrzunehmen. Um Fluoreszenz zu sehen, benötigen wir UV-Lampen (Schwarzlicht). Viele Tiere, so auch einige Fischarten können Licht im UV-Bereich wahrnehmen. Biologen haben das inzwischen beim Goldfisch und Riffbarschen nachweisen können. Auch Raubfischarten in unseren Gewässern sollen durchaus in der Lage sein, im kurzwelligen UV-Bereich zu sehen.

 

Ich möchte aber hier die Herstellung von UV aktiven Ködern erklären und nicht zu weit in den wissenschaftlichen Bereich abdriften. Über das Farbsehen von Fischen sowie Sinn oder Unsinn fluoreszierender Köder kann man sich ja nachhinein unterhalten.

Nur eins sollte noch erwähnt werden.
Im trüben Wasser, z. B. der Elbe, werden schon nach wenigen Zentimetern rote und gelbe Farben absorbiert und auch vom Fischauge in diesen Farben nicht mehr wahrgenommen. Die kurzwellige UV-Strahlung dringt tiefer als das für uns sichtbare Licht in die Gewässer ein und wirkt auf UV aktive Farben und Substanzen fluoreszierend.

Wie der Fisch UV angestrahlte Farben wahrnimmt (vom Sehen bis hin zur Reizverarbeitung im Gehirn), wird wohl so schnell niemand herausfinden.

Tatsache ist, dass UV aktive Köder sehr fängig sein können, manchmal aber auch völlig versagen.

Soweit das Intro und nun ans Werk:

Köder gießen

Zunächst müssen Köder, Gewichte usw. gegossen werden.

Das muss nicht, wie hier zu sehen ist, mit einem Gussofen erfolgen, sondern es geht auch hervorragend mit Topf, Campingkocher oder Bunsenbrenner.

Pilker-Rohlinge

Das Bild rechts zeigt Pilker-Rohlinge vor der Weiterverarbeitung. Gusskanal und scharfe Kanten müssen entfernt werden.

 

 

Pilker grundiert

Weiße Grundierfarbe wird aufgetragen. Fluo-Farben bekommen nur auf weißer Farbe ihren vollen Glanz.

Pilker mit FarblackierungFarbe kommt ins Spiel (Bild rechts). Hier ist der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Man kann nur eine Farbe auftragen oder mehrere Farben mischen. Schon jetzt ist die Brillanz der Tagesleuchtfarben zu sehen. Auch ohne UV-Bestrahlung sind diese Farben im Wasser, mit zunehmender Tiefe weit länger zu erkennen als normale Farben.

UV-lackierte Pilker mit Klarlacküberzug

Zum Schluss mit Klarlack mehrere Schutzschichten aufgetragen. Ohne Klarlack würde der Köder schnell zerkratzen und die Farbe würde bei jedem Aufprall auf Grund abblättern. Ich trage etwa 3 bis 5 Klarlackschichten auf. Dann hält der Pilker einige Angeltouren ohne große Blessuren. Schlüsselreiz zum Biss können aufgepinselte Augen für den Fisch sein. Diese werden natürlich vor den Schutzschichten aufgemalt.

UV-Pilker unter UV-LichtMit einer UV-Lampe wird die Fluoreszenz sichtbar gemacht (Bild rechts). Auf dem Bild kann man gut den Unterschied erkennen, denn die Augenränder wurden mit normaler weißer Farbe gepinselt und sind, nur mit UV-Licht angestrahlt und somit im lichtschwachen Gewässerbereich, nicht zu erkennen. Der dritte Pilker von unten wurde nur am Rand mit Fluo-Farbe besprüht. Der Innenbereich blieb farblos.

Hier wurden nur die Konturen der Pilker mit UV-Farbe besprüht.

Hier (Bild links) wurden nur die Konturen der Pilker mit UV-Farbe besprüht. Wenn stark leuchtende Farben auf den Fisch eher abschreckend wirken, sind die oben gezeigten Köder sehr fängig.

Das sind UV-Trailer Balls in verschiedenen Gewichtsklassen

Das (Bild rechts) sind Trailer Balls in verschiedenen Gewichtsklassen. Diese Bleiköpfe können für Gummiköder, Montagen mit totem Köderfisch, zum Vertikalangeln und andere Montagen verwendet werden. Auf dem Bild sieht man deutlich, welcher Bleikopf mit normaler Farbe gefertigt
wurde. Zum Beispiel ist der mit normaler Farbe hergestellte 2. Bleikopf (oben links in der 1. Reihe), im Dunkeln nicht mehr zu erkennen.

Shad ohne Fluoreszenz aber mit UV-Bleikopf.

Shad ohne Fluoreszenz aber mit UV-Bleikopf.

Hier mein Prototyp eines WASABI ähnlichen Kunstköders für Dorsch

Hier (Bild rechts) mein Prototyp eines WASABI ähnlichen Kunstköders für Dorsch. Wird nächstes Jahr zum ersten Mal getestet. Für den optischen Reiz sind Fransen, gelbe Perlen und Bleikopf stark fluoreszierend. Für den akustischen Reiz sorgt ein Spinnerblatt.

 

Wann sind UV aktive Köder besonders fängig?
Ganz klar dann, wenn das für Menschen sichtbare Farbspektrum (Rot bis Violett) stark absorbiert wird. Zum Beispiel in der Dämmerung, morgens und in den späten Nachmittagstunden. Bei starker Wolkenbildung sowie im trüben Wasser. Steht die Sonne ziemlich hoch oder bei klarem Wasser, kann die Fängigkeit dieser Köder völlig versagen. Grelle Farben haben dann eher eine Scheuchwirkung und es punkten dezente Farben oder im Farbkleid natürliche Köder.

Für jede Fischart sind diese Regeln aber nicht anwendbar. Dorsch beißt nämlich in den Abendstunden sehr gut auf dunkle Pilker. Er steht dann tief und kann dunkle Köder gegen das Licht besser erkennen. Aber mit leicht fluoreszierenden Pilkern, z. B. wo nur die Augen, Seitenlinie oder Konturen leuchten, habe ich hervorragende Fänge erzielen können.

Noch ein Tipp:
UV-FarbübertragWerden Gummiköder ohne Fluoreszenz mit UV aktiven Ködern zusammengebracht, färben die UV-Aktiven schnell ab und übertragen ein Teil ihrer Fluoreszenz an die normal gefärbten Köder. Das geschieht auch beim Zusammenbringen mit farbigen Bleiköpfen.                        

So sieht es aus (siehe Bild links), wenn gelbe Jigköpfe mit Gummiködern zusammen gelagert werden.

Manche Angler werfen alle Gummiköder mit Absicht in eine Kiste. Das Abfärben der Fluoreszenz ist dann erwünscht und kann völlig neue Kreationen hervorbringen. Hoffentlich, mit gutem Fangerfolg.

Ich möchte es zum Schluss noch einmal erwähnen, dass eine UV-Lampe uns Menschen hilft, Fluoreszenz zu erkennen. Der Fisch wird mit Sicherheit ein völlig anderes Bild unserer getunten Köder empfangen, als die Fotos es hier zeigen. Außerdem ist die UV-Intensität im Wasser völlig anders als die direkte Bestrahlung mit einer Taschenlampe. Wie der Fisch UV aktive Farben wahrnimmt, vom Sehen bis hin zur Reizverarbeitung im Gehirn, bleibt wohl immer ein Geheimnis.


Petri Heil