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Seit in den 80er Jahren das Angeln mit dem lebenden Köderfisch verboten wurde, glauben viele Angler dass sich große Hechte nur noch mit dem Spinner oder Blinker fangen lassen. Doch das stimmt in keiner Weise!

 grosshecht

 

Manchmal überfallen Hechte zwar ihre Beute, meist müssen sie sie jedoch jagen. Tote Fische sind für den Hecht „Gratishappen“, die er bekommt, ohne eigene Energie dafür aufwenden zu müssen.
Als Hilfe für das Auffinden von lebenden und toten Fischen, verfügt der Hecht auch über ein gut entwickelten Geruchssinn und vor allem über scharfe Augen. Um nun mit totem Köderfisch erfolgreich zu sein, muss man sich diese beiden Sinne des Hechts zunutze machen und den Köderfisch verlockend duftend und gut sichtbar anbieten.

Tipp-Box-Hinweis zu toten KöderfischenAls tote Köderfische kommen sowohl Süß- als auch Salzwasserfische in Frage. Wegen ihres hohen Fettgehalts und der leichten Verfügbarkeit sind Heringe und Makrelen als Köderfische besonders beliebt. Grundsätzlich sollte man diese Fische bis zu einer Länge von 15-20 cm als Ganzes verwenden. Größere Fische bietet man halbiert an. Ebenfalls sehr beliebt sind Sardinen, Sprotten und Stöcker. Weniger verbreitet, aber ebenfalls sehr fängig sind Sandaal, Hornhecht, Wittling und kleine Dorsche (vor allem bei den Boddenhechten sehr beliebt).

Von den Süßwasserfischen kann man jede Art verwenden, die man mit der Angel fangen kann. Am häufigsten werden alle Arten von Weißfischen verwendet, aber auch Aale sind bei manchen Spezies sehr beliebt (heutzutage jedoch als Köderfisch viel zu schade und zu teuer).

Als Köder eigenen sich tiefgefrorene Fische genauso gut wie frische, wobei die gefrorenen zudem noch den Vorteil haben, dass sie sich weiter werfen lassen. Dort, wo er vorkommt, ist der Stint einer der besten Köderfische für Hecht und Zander. Allerdings hört man immer wieder, das viele Angler sagen, sie würden auf Stint nichts fangen. Das kommt daher, dass die Laichzeit der Stinte, wenn sie die Elbe hinauf wandern und massenhaft im Fluss sind, genau in die Schonzeit der Hechte fällt. Außerhalb der Stint-Laichzeit und in Gewässern, wo der Stint gar nicht vorkommt, kann es durchaus sein, dass die Hechte den Köder erst akzeptieren, wenn man sie daran gewöhnt hat.

tippbox-wer-toten-koederfischen-oele-spriztUm misstrauische Hechte zum Anbiss zu verführen, kann man den Geruch des Köderfisches durch Injektion mit Aromastoffen (Aminosäuren) und Fischölen intensivieren und verändern.

Beim Angeln mit dem toten Köderfisch muss das Gerät Ködergewichte von mindestens 100g aushalten. Die Rute sollte deshalb ein Wurfgewicht von 100 130 g und eine Länge von 3,00 bis 3,60 m haben. Auch der Rolle wird einiges abverlangt. Vor allem muss die Bremse einwandfrei funktionieren und darf nicht kleben oder ungleichmäßig bremsen. Deshalb ist beim Angeln auf große Hechte eine Rolle mit Kopfbremse und einer Schnurfassung von 100 m 0,40er Schnur zu empfehlen.

Stahlvorfächer sind beim Hechtfischen absolute Pflicht. Hochwertige Stahlvorfächer von ca. 60 cm Länge und zwei hintereinander angebrachten Drillingen sind in Angelgeschäften fertig montiert erhältlich. Jeweils ein Haken jedes Drillings hält den Köderfisch. Der obere Drilling lässt sich am Stahlvorfach in der Höhe verschieben und so der Größe des Köderfisches anpassen.

Wer seine Vorfächer lieber selber baut, verwendet dazu am besten das 7 x 7 Vorfachmaterial. Dieses Material ist aus 49 (7 x 7) einzelnen Stahlfäden geflochten. Es ist sehr geschmeidig und lässt sich fast wie normale Schnur verarbeiten und Knoten.

Fangtechniken
Es gibt zwei erfolgversprechende Techniken, um den toten Köderfisch anzubieten: Die unbewegliche und die bewegliche Methode.
Welche der beiden Methoden man verwendet, hängt sehr von der Beißlaune der hechte ab und die lässt sich oft erst am Wasser bestimmen. Hat man jedoch erst einmal das entsprechende Gerät und das Know-how, um die verschiedenen unbeweglichen und beweglichen Techniken anzuwenden, ist man für jede Situation vorbereitet.

Der unbewegte Köder
Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei der unbewegten Methode in einem guten Bissanzeiger, der dem Hecht keine Zeit lässt, den Köder im Maul zu drehen und hinunterzuschlucken, was dann zu tief sitzenden und schwer lösbaren Haken führt. Man benötigt ein ziemlich schweres Blei, etwa 30 g, um den Köder gut zu verankern und die Schnur straff halten zu können.

Laufbleimontage: Dies ist die einfachste unbewegliche Montage. Der Köder bleibt dabei fest am Grund liegen (siehe Abbildung)
  tippbox-laufbleimontage-koederfischDer auftreibende Köderfisch: Dies ist eine abgewandelte Form der Laufbleimontage. Dabei führt man einen Schaumstoffstab in den Fischkörper ein, der diesen etwas vom Grund anhebt und so für den Hecht besser sichtbar macht. Diese Methode eignet sich besonders für mit Kraut bewachsenen oder tief verschlammten Grund, wo also der Köder manchmal verborgen bleiben kann.

auftreibender Köderfischhängender KöderfischHängender Köderfisch: Dies ist eine etwas kompliziertere, aber sehr fängige Montage. Dabei kommt ein Pilotfloß zum Einsatz, das unter der Wasseroberfläche steht und dem Köderfisch genügend Auftrieb verleiht, um ihn vom Fluss- oder Seegrund anzuheben. Auch auf diese Weise bleibt der Köderfisch gut sichtbar und verschwindet nicht im Kraut oder Schlamm.

Bei unbewegten, toten Köderfischen dauert es oft eine Weile, bis sich der erste Bisseinstellt. An guten Tagen kann man jedoch einige Bisse von Hechten aller Größenordnungen erwarten. Nur in Gewässern mit einem sehr guten Nahrungsangebot zeigen sich die Hechte meist wenig interessiert, aber auch hier lohnt sich auf jeden Fall ein Versuch am ganz frühen Morgen.

Der bewegte Köderfisch
Mit einem bewegten Köderfisch spricht man nicht nur den Geruchssinn und das ausgezeichnete Sehvermögen der Hechte an, sondern auch die Empfindlichkeit ihres Seitenlinienorgans für jegliche Art von Schall, Vibration und Druckwellen im Wasser. Das Seitenlinienorgan der Fische ist in etwa vergleichbar mit dem Ultraschallorgan der Fledermäuse.

Zu den bewegten Angelmethoden gehört das Führen des Köders im Wasser, das Absuchen möglicher Standplätze mit Hilfe einer Posenangel und das Schleppangeln.

Köderfisch am Spinnsystem
Um den Köderfisch richtig zu führen, montiert man ihn mit dem Kopf nach oben an das Stahlvorfach und holt ihn möglichst verführerisch und langsam ein. Je mehr der Körper den Fischen gebogen wird, desto stärker die Wackelbewegungen beim Einholen.

tippbox-koederfisch-am-spinnsystemKöderfisch an der Treibpose
Manchmal kann man den Köderfisch nicht direkt an den Standplatz des Hechtes werfen, weil entweder die Entfernung zu groß, oder ein Hindernis im Weg ist. Hier kann eine Treibangel Abhilfe schaffen, Vorausgesetzt Windstärke und Windrichtung stimmen.

Segelpose
Mit Hilfe einer sogenannten Segelpose kann man den toten Köderfisch auch in extrem großer Entfernung (100 m oder mehr vom Ufer aus) anbieten. Bei dieser etwas schwierigen Technik segelt der Köder mit Hilfe der Pose durch das Wasser. Auch hier müssen Windrichtung und Windstärke natürlich stimmen, wenn man einen bestimmten Standplatz ansteuern will. Ansonsten lässt sich mit dieser Methode auch ein großer Gewässerbereich nach Hechten absuchen – egal von wo der Wind weht.

Schleppangeln (Trolling)
An sehr großen Gewässern (Müritz, Plauer See, Bodden Bodensee) findet man den Hecht häufig erst, nach einer ausgedehnten Suchaktion. Eine sehr bewährte Methode besteht darin, den toten Köderfisch hinter einem Boot geschleppt anzubieten. Ähnlich wie bei der Segelpose, handelt es sich dabei jedoch eher um eine Technik für Spezialisten, denn für Anfänger.

Anmerkung:

Man sollte niemals ohne eine lange Aterienklemme zum Lösen des Hakens und ohne einen ausreichend langen und großen Unterfangkescher zum Hechtangeln gehen.

 Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel

Der richtige Umgang mit Hechten