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TiefwasserpilkenAllgemein werden erfahrene Seeleute ja auch als „Seebären“ bezeichnet und tatsächlich sieht so mancher Skipper oder Decksmann aus, als betreibe er intensives Bodybuilding, doch die Muskeln stammen eher vom ständigen Umgang mit der Pilkangel und dem „Heraufpumpen“ nicht eben kleiner Meeresbewohner.

Wer sich mit dem Pilkangeln ernsthaft beschäftigen will, sollte schon mal ein kleines Fitnessprogramm für Arm- und Schultermuskulatur ins Auge fassen, denn mit dem schweren Pilker im Tiefwasser zu fischen ist anstrengend. Die Besatzungen der Angelkutter und Charterboote haben natürlich häufiger die Möglichkeit, sich in dieser Disziplin zu üben und sind dementsprechend fit und meist auch erfolgreich.

Diese Art der Angelei ist nicht unbedingt etwas für die Seegebiete vor den Deutschen Küsten (um Helgoland herum vielleicht einmal ausgenommen) weil diese zu flach sind und die entsprechenden Fischgrößen und –arten hier nicht vorkommen. Diese Angelei könnte man schon als „Little-Big-Game“ bezeichnen...

 

groszdorsch-akEin einfacher Pilker besteht aus einem verchromten Metallstück, das in der Regel mit einem großen Drillingshaken versehen ist. Diese Technik ist vor allem beim Tiefwasserpilken über Wracks oder Riffgrund erfolgversprechend, wenn die anvisierte Beute aus großen, schnellen und freischwimmenden Fischarten wie Dorsch, Pollacks, Köhler und Lengfischen besteht.

Mit dem Pilker wird versucht, diese großen Raubfische zu einem Angriff auf einen Kunstköder zu verleiten, der ungefähr wie ein verletzter Beutefisch aussieht und sich auch so verhält. Da die Futterkonkurrenz an Orten an denen sich viele Fische aufhalten, wie z. B. an Wracks, sehr groß ist, gehen die Raubfische auf alles los, was wie eine gute Mahlzeit aussieht – Pilker eingeschlossen.

Selber machen oder kaufen?
Der Fachhandel bietet Pilker in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Gewichten an. Als besonders fängig haben sich helle, funkelnde – meist verchromte Pilker in Gewichten von 450 bis 800 g erwiesen.

Wer die Möglichkeit hat, kann durch Eigenbau eine Menge Geld sparen. Man benötigt dazu ein verchromtes Metallrohr, wie z. B. einen alten Fahrradlenker oder das Gestänge vom nicht mehr benötigen Kinderwagen. Das Rohr füllt man dann mit eingeschmolzenem Blei auf. Solche Abfallbleie bekommt man an Tankstellen oder Reifenbetrieben in Form alter Auswuchtbleie, bei Abrissfirmen die die alten Wasserleitungen entsorgen müssen oder auch beim Klempner um die Ecke.

Nach dem Ausfüllen des Rohrs werden die Enden mit einem Hammer zusammen geklopft und dann Löcher hindurchgebohrt damit man Springringe für den Haken und den Wirbel einziehen kann. Ein großer Vorteil dieser „Selfmade-Pilker“ ist, dass sie sehr schnell absinken und somit schnell am Fisch sind.

 

Beifänger verwenden
beifaengerBeifänger – auch Jigs genannt – bestehen in der Regel aus einem großen Einzelhaken, an dessen oberen Schenkelende ein Bleikopf mit einer Öse, für den Wirbel angebracht ist. Der Hakenschenkel selbst wird mit einem Gummischwanz oder einem Gummifisch überzogen, so dass nur noch Hakenbogen und Spitze frei bleiben.

Auch diese Gummischwänze und –fische sowie auch die Bleikopfhaken gibt es in den verschiedensten Farben, Mustern, Größen und Gewichten im Fachhandel.

Der bebleite Kopf lässt den Köder beim Pilken verführerisch tanzen – ein Anblick, dem kein Raubfisch widerstehen kann.

Wenn man mit einem Charterboot zum Pilkangeln hinausfährt und der Skipper ein Wrack geortet hat, lässt er das Boot darüber hinweg treiben. Nährt sich das Boot dem Wrack, müssen die Angler auf Kommando des Skippers ihre Pilker schnell ins Wasser lassen. Dabei kommt es auf Disziplin und gute Zusammenarbeit zwischen Skipper und Angler an, um übermäßig hohe Verluste an Angelgerät zu vermeiden. Im Idealfall kann der Skipper mit Hilfe des Echolots die unterschiedlichen Höhen der Schiffsaufbauten erkennen und den Anglern entsprechende Anweisungen zum Aufholen oder Absenken der Pilker geben.

Beim Herablassen des Pilkers schaltet man die Multirolle in den Freilauf und bremst die sich drehende Trommel leicht mit dem Daumen ab, um ein Überlaufen der Schnur zu verhindern, wenn der Pilker den Grund erreicht hat.

Sowohl Pollacks, als auch Köhler jagen im offenen Wasser ungefähr 6 m über einem Wrack oder dem Grund. Oft schnappen sie sich den Pilker schon, wenn dieser noch im Absinken ist und nehmen ihn voll und mit äußerster Aggressivität. Meist werden die Fische am Kiefer gehakt, doch manchmal verfehlen sie ihn auch knapp und der Haken sitzt im Außenbereich des Mauls.

Geschwindigkeit ist beim Pilken Trumpf. Der Angler muss jederzeit bereit sein, den Freilauf der Rolle wieder auszuschalten, wenn er einen Biss bemerkt. Nur eine Sekunde später biegt sich selbst eine 30 lb. Rute gefährlich durch, wenn einer der Riesen am Haken sitzt. Wer die Rollenbremse nun nicht auf die entsprechende Schnurstärke eingestellt hat, riskiert einen Schnurbruch.

Falls der Pilker nicht schon im Absinken genommen wurde und auf dem Grund aufschlägt, holt man ihn schnell wieder einige Meter (je nach Höhe des Wracks) nach oben und aus dem Bereich des Wracks heraus, damit er sich nicht an den Aufbauten verhaken kann. Außerhalb des Wrackbereichs hebt und senkt man nun die Rutenspitze, damit der Pilker in der Tiefe seinen verführerischen Tanz beginnen kann. Dabei darf man die Rutenspitze jedoch nicht zu hoch heben, da man sonst keinen Spielraum mehr für den Anhieb hat. Allerdings genügt meist schon das kraftvolle Abtauchen des Fisches, um den Haken zu setzen.

Über einem Riffgrund zahlt es sich oft aus, wenn man den Pilker knapp über dem Grund tanzen lässt. Dazu wartet man, bis der Pilker auf dem Grund aufschlägt und kurbelt ihn dann 2-3 Umdrehungen wieder hoch. Durch das Auf- und Absenken der Rutenspitze kann man dann fühlen, wie der Pilker immer wieder kurz auf dem Grund aufsetzt. Bei dieser Art des Pilkens weiß man nie, was für ein Fisch beißen wird. Es kann ein Leng, ein Dorsch, aber auch ein Kattfisch (Seewolf) oder etwas ganz anderes wie z. B. ein Heringshai oder ein großer Plattfisch sein.

killer-gear-rigEine sehr wirkungsvolle Montage ist das sogenannte „Killer Gear-Rig“. Es besteht aus einem 1 m langen Vorfach aus Nylon- Monofilschnur mit einer Tragkraft von mindestens 25 kg. Zwei Seitenarme von ca. 20 cm Länge tragen jeweils einen Beifänger der vorhin beschriebenen Art oder auch eine Octopus-Schürze mit einem Drilling.

Die Haken haben die Größe 6/0 bis 8/0. Als Senkgewicht dient ein Pilker, dessen Gewicht je nach Wassertiefe und Strömungsstärke zwischen 400 und 1000 g liegt und mit einem Tintenfisch- oder Makrelenstreifen garniert ist.

Solche Montagen (engl. Rigs) werden genau wie der normale Pilker geführt, sind jedoch häufig weitaus fängiger. Mit ihnen können noch Fische gefangen werden, wenn die herkömmlichen Taktiken versagen. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass eine solche Montage den Angler auch in harte Bedrängnis bringen kann, wenn Petrus es sehr gut mit ihm meint und drei Große Fische gleichzeitig auf die Köder einsteigen. Um diese Trilette dann nach oben zu bringen ist dann Pumpen angesagt, bis die Augen aus den Höhlen treten.

Grundsätzlich bestehen während Springfluten die besten Fangaussichten. Die Strömung lässt das Boot rasch über den Angelplatz hinwegtreiben, wo die schnelle Wasserbewegung Pollacks und Köhler zu heftigen Bissen reizt, bevor der vermeintlich gute Happen von einem Mitbewerber weggeschnappt wird. Bei derartigen Bedingungen werden sich die Ruten die meiste Zeit gut durchbiegen

Für Dorsche und Lengfische sind mittelstarke Flutzeiten besser geeignet, da diese Fische lieber in unmittelbarer Grundnähe bleiben. Diese Fische werden besser mit dem Killer-Gear als mit Einzelpilkern gefangen und gehen lieber auf beköderte Haken als auf Kunstködern an den Seitenarmen. Wer großzügige Tintenfisch und Makrelenportionen anbietet – oder einen Cocktail aus beidem – kommt bei diesen schwergewichtigen Riesen häufig auf seine Kosten.

Im Winter sammeln sich zahlreiche Köhler, Pollack, Lengfische und Dorsche in den Wrackbereichen. Sind beispielsweise zwei große Köhler an der Leine, die in verschiedene Richtungen schwimmen, wird nicht nur das Angelgerät einer extremen Belastungsprobe unterzogen, sondern auch der Angler.

groszlengIn diesem Fall benötigt man starkes Angelgerät, besonders wenn zwei oder gar drei Schwergewichte auf die Köder losgehen. Wer zwei oder drei große Fische gleichzeitig an Bord bekommt, der kann nicht nur von einem guten Fang berichten, sondern auch von einem grandiosen Muskelkater. Doch interessanter ist der Drill eines einzelnen großen Fisches.

Wer vor England oder an den steilen Abhängen der norwegischen Fjorde fischt, dem kann es durchaus passieren, dass auch ein großer Conger seinen Pilker nimmt, wenn er in dessen Reichweite kommt. Oft erlebt man solche Überraschungen, wenn der Pilker oder die Seitenarme beködert sind.

Manche Spezialisten fischen mit dem Pilker auch auf Heilbutt. Im Norden Norwegens wurden auf diese Weise schon Fische von über 50 kg Gewicht an beköderten Pilkern gefangen, die in Grundnähe in sehr tiefem Wasser geführt wurden.

Das Angelgerät
haengerloesenDie Wahl des Angelgeräts Die richtige Rute zum Tiefseepilken sollte eine Länge von 2,10 m haben, ein Wurfgewicht von 30 lbs. und muss eine steile, aber gute Aktion aufweisen und mindestens an der Spitze einen Rollerring bester Qualität sowie einen Kreuzabschluss am Griffteil zum Einstecken in einen Bauchgurt (Gimbal) besitzen.

Die bekannten Hersteller bieten Kohlefaser- und Glasfaser- sowie Composite-Ruten (Kohlefaser-Glasfaser- Gemisch) in der 30 und 50-lb-Klasse an.

Als Rolle kommen nur Multirollen der Größe 4/0 für die 30-lb-Klasse und 6/0 für die 50-lb-Klasse in Frage. Die Rollen werden mit geflochtenen Schnüren, in den den Vorfächern entsprechenden Stärken bespult. Wenn Ihr Vorfach eine Tragkraft von 25 kg hat, sollte Ihre Hauptschnur wenigstens 30 kg tragen können. Das Vorfach aus monofiler Schnur sollte nicht kürzer als 5-10 m sein, um die erste kraftvolle Flucht über seine Dehnung mit abfedern zu können.

Petri Heil